Der Bischof ist vor Ort gegangen
Gründung & Historie: Aufbruch im Epochenjahr 1958
Die Geburtsstunde des Diözesanverbandes Essen im Bund der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften (BHDS) markiert einen der wichtigsten Meilensteine in der neueren Geschichte des Schützenwesens an Ruhr, Emscher und Lippe. Unsere Gründung war kein historischer Zufall, sondern die direkte Antwort auf ein kirchengeschichtliches Jahrhundertereignis: die Entstehung des Ruhrbistums.
Das Jahr 1958: Ein Bistum und sein Verband entstehen
„Der Bischof ist vor Ort gegangen“
Am 1. Januar 1958 läuteten im gesamten Ruhrgebiet die Glocken. Das Bistum Essen wurde offiziell errichtet. Unvergessen bleibt die historische Ansprache des ersten Essener Bischofs, Dr. Franz Hengsbach, der am Neujahrstag auf dem Essener Burgplatz vor Tausenden Gläubigen verkündete: „Der Bischof ist vor Ort gegangen“.
Die Errichtung dieser neuen Diözese brachte eine gewaltige Dynamik in die Region. Sie machte gleichzeitig eine administrative und strukturelle Neuordnung der katholischen Schützenbruderschaften erforderlich.
Der Weg in die Eigenständigkeit
Vor 1958 existierte kein eigenständiger Verband für das Ruhrgebiet. Die traditionsreichen Bruderschaften der Region waren geografisch und organisatorisch zersplittert – die allermeisten von ihnen unterstanden der Verwaltung des geschichtsträchtigen Erzbistums Köln.
Um den Schützenbrüdern und Schützenschwestern im jungen Ruhrbistum eine gemeinsame Stimme, eine feste Struktur und eine nahbare Heimat vor Ort zu geben, schlossen sich die lokalen Bezirke zusammen. Am 13. November 1958 war es offiziell: Der Diözesanverband Essen wurde feierlich konstituiert.
Die Väter der Gründungsphase
Dass die Abspaltung von Köln und der Aufbau im neuen Bistum so reibungslos gelang, ist wegweisenden Persönlichkeiten der ersten Stunde zu verdanken:
- Frank Leguil (Der erste Diözesanbundesmeister): Er war der organisatorische Motor der Gründungsära. Bereits im September 1957 – kurz vor der Bistumsgründung – bewies er planerisches Geschick, als Duisburg unter seiner Leitung das V. Bundeskönigsschießen des BHDS ausrichtete. Nach der Verbandsgründung übernahm Leguil als erster Diözesanbundesmeister die Führung und formte aus den einzelnen Bruderschaften eine feste Einheit.
- Bischof Dr. Franz Hengsbach: Als geistlicher Hirte des neuen Bistums erkannte er sofort den unschätzbaren Wert der Schützen für das soziale und kirchliche Leben im Revier. Er förderte den Zusammenschluss von Beginn an aktiv und legte das Fundament für die bis heute enge Verzahnung von Kirche und Schützenwesen im Bistum Essen.
Das Gründungsversprechen: Altbewährte Werte im neuen Gewand
Obwohl das Verwaltungsgebilde des Diözesanverbandes im November 1958 neu geschaffen wurde, brachten die Mitgliedsbruderschaften ein jahrhundertealtes Erbe mit in die Ehe. Viele von ihnen wurzelten in den mittelalterlichen Bürgerwehren der Industriestädte.
Mit der Gründung im Jahr 1958 gaben sich die Schützen ein klares Versprechen: Das historische Bundesmotto „Für Glaube, Sitte und Heimat“ sollte in der modernen Industriekultur des Ruhrgebietes eine neue, lebendige Heimat finden:
- Glaube: Aktive Mitgestaltung des kirchlichen Lebens im jungen Bistum.
- Sitte: Schutz der christlichen Werteordnung und Solidarität unter den Menschen der Nachkriegszeit.
- Heimat: Festigung des regionalen Zusammenhalts in einer Epoche des rasanten wirtschaftlichen Wandels.
Die Geburtsstunde von 1958 bleibt der Kompass unseres Handelns. Sie erinnert uns täglich daran, dass wir Brückenbauer zwischen einer großen Tradition und einer modernen, christlichen Gemeinschaft sind.